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Peer Review bei kumulativer Promotion: So gehen Sie mit Gutachten um

Sie haben Ihren Fachartikel eingereicht und warten auf eine Rückmeldung? Oder die Gutachten liegen bereits in Ihrem Postfach und Sie trauen sich kaum, sie zu öffnen? Bei einer kumulativen Promotion gehört das Peer Review zum Alltag, und trotzdem fällt es fast allen schwer, mit Kritik an der eigenen Forschung umzugehen.

In diesem Beitrag erfahren Sie, wie das Verfahren abläuft, welche Ergebnisse möglich sind und wie Sie auf Gutachten reagieren, ohne vorschnell zu handeln oder sich entmutigen zu lassen.

Was ist Peer Review bei einer kumulativen Promotion?

Bei einer kumulativen Promotion wird keine Monografie geschrieben, sondern je nach Fach und Promotionsordnung zwei bis fünf Fachartikel und ein sogenannter Manteltext. Die Fachartikel durchlaufen vor der Veröffentlichung ein Peer Review-Verfahren durchlaufen, das heißt, sie werden von Fachexpert:innen begutachtet. Auf diese Fachgutachten warten Sie meist etliche Wochen bis Monate.

Ob Ihre Artikel für die Promotion bereits angenommen sein müssen oder ob eine Einreichung genügt, regelt Ihre Promotionsordnung. Informieren Sie sich möglichst frühzeitig über diese Punkte.

Desk Reject: Ablehnung vor dem Peer Review

Manchmal endet der Prozess schon, bevor die Gutachter:innen Ihren Artikel überhaupt zu sehen bekommen. Die Redaktion lehnt ihn direkt ab (sogenannter Desk Reject), meist schon nach wenigen Tagen. Dann verkürzt sich zwar die Wartezeit, das Ergebnis ist aber trotzdem enttäuschend.

Ein Desk Reject muss nicht zwingend bedeuten, dass Ihr Artikel mangelhaft ist. Mögliche Gründe sind:

  • Der Beitrag passt nicht zur thematischen Ausrichtung der Zeitschrift.
  • Sie haben sich nicht an das Stylesheet gehalten. Vor allem Verstöße gegen die Längenvorgaben führen schnell zum Aus.
  • Die Qualität Ihrer Arbeit reicht (noch) nicht aus.

Im letzten Fall sollten Sie Ihren Beitrag gründlich überarbeiten und ihn dann neu einreichen, entweder bei derselben oder einer anderen Zeitschrift. Besprechen Sie dies am besten mit Ihrer Betreuungsperson.

Welches Ergebnis kann das Peer Review haben?

Schafft es Ihr Paper ins Peer Review, sind folgende Ausgänge möglich:

  • Annahme (Accept): Wird Ihr Beitrag ohne Änderungswünsche angenommen, lassen Sie sich ordentlich feiern, denn das ist wirklich sehr selten.
  • Annahme mit Minor Revisions: Ihr Beitrag hat grundsätzlich überzeugt, benötigt für die endgültige Zusage aber noch kleinere Änderungen. Meist geht es um einzelne Formulierungen, angepasste Abbildungen oder Tippfehler.
  • Annahme mit Major Revisions: Hier sieht man Potenzial in Ihrem Beitrag, fordert aber vor einer endgültigen Zusage noch größere Änderungen. Hierbei geht es um wesentliche inhaltliche oder methodische Eingriffe in den Beitrag. So können z.B. weitere Messreihen, zusätzliche Analysen oder eine Änderung der Struktur gefordert werden.
  • Ablehnung (Reject): Häufige Gründe sind methodische Mängel (z.B. zu geringe Fallzahlen oder Fehler in der statistischen Analyse), fehlende Neuheit/Innovation oder mangelnde Passung zur inhaltlichen Ausrichtung der Zeitschrift.

Wie reagiere ich auf kritische Gutachten?

Jede Kritik schmerzt. Sie haben viele, viele Stunden in Ihre Forschung gesteckt und der Beitrag ist aus Ihrer Sicht rund und fertig, sonst hätten Sie ihn nicht eingereicht. Wenn Sie nun die Rückmeldung zu erhalten, dass es für die Veröffentlichung noch nicht reicht oder Änderungen erforderlich sind, kann das zutiefst frustrierend sein und grundlegende Fragen nach dem Wert Ihrer Forschung aufwerfen.

Halten Sie sich stets vor Augen, dass Ihr Wert als Person niemals an den Erfolg Ihrer Arbeit und die Annahme oder Ablehnung irgendeines Papers geknüpft ist. Sie sind so viel mehr als Ihre Arbeit.

Und wenn Sie merken, dass Sie mit der Kritik nicht allein bleiben möchten: Genau dafür gibt es Unterstützung (mehr dazu am Ende dieses Beitrags).

Erst einmal Abstand gewinnen

Reagieren Sie niemals direkt aus der ersten Enttäuschung oder Wut heraus und schreiben Sie keine Mails, die Sie später wahrscheinlich bereuen. Machen Sie einen Spaziergang oder gehen Sie zum Sport, um den Kopf frei zu bekommen. Sprechen Sie mit Freund:innen und lassen Sie Ihren Frust raus. Schlafen Sie unbedingt eine Nacht darüber. Frühestens am nächsten Morgen können Sie sich in Ruhe mit der Rückmeldung beschäftigen.

Gutachten systematisch auswerten

Minor Revisions sind meist relativ schnell bearbeitet. Für mehr Frust und Arbeitsaufwand sorgen die Major Revisions oder eine Ablehnung.

Setzen Sie sich ausführlich mit den Anmerkungen der Gutachter:innen auseinander. Am besten machen Sie eine Tabelle und sammeln dort die Kritikpunkte. Manche lassen sich leichter umsetzen, etwa Änderungen an einer Abbildung oder einer Formulierung. Andere Wünsche aus den Gutachten sorgen für deutlich mehr Arbeit, wie zusätzliche Messreihen.

Nicht jeder Punkt aus den Gutachten muss zwingend umgesetzt werden. Es steht Ihnen durchaus frei, vorgeschlagene Änderungen nicht umzusetzen, wenn Sie dies sachlich begründen. Das gilt besonders, wenn sich Gutachter:innen widersprechen. Achten Sie außerdem auf die Frist für die Überarbeitung. Wenn sie zu knapp ist, können Sie bei der Redaktion um Verlängerung bitten.

Der Letter of Response

Zusammen mit der überarbeiteten Fassung Ihres Beitrags versenden Sie einen sogenannten Letter of Response, ein detailliertes Antwortschreiben. Darin

  • bedanken Sie sich für die wertvollen Hinweise aus den Gutachten,
  • zeigen Sie, was Sie an welchen Stellen geändert haben und
  • begründen Sie, welche Vorschläge Sie aus welchen Gründen nicht umgesetzt haben.

Bleiben Sie dabei unbedingt immer höflich, auch wenn Sie einen Kritikpunkt unfair finden.

Und wenn der Beitrag abgelehnt wurde?

Auch dann lohnt es sich, sich gründlich mit den Gutachten auseinanderzusetzen. Sie liefern Ihnen wertvolle Hinweise, wie Sie Ihren Beitrag verbessern können. Überarbeiten Sie ihn auf Grundlage dieser Hinweise und reichen Sie ihn bei einer anderen Zeitschrift ein. Wählen Sie ein Journal auf demselben Level an Renommee oder etwas darunter.

Sie möchten Ihre Gutachten nicht allein sortieren?

Ob Sie gerade Gutachten erhalten haben, nach einem Desk Reject nicht weiterwissen oder vor Ihrer ersten Einreichung stehen: Gemeinsam schaffen wir Klarheit.
Im Coaching

  • sortieren wir die Rückmeldungen und setzen Prioritäten,
  • überlegen wir, welche Punkte Sie umsetzen und welche Sie begründet ablehnen,
  • entwickeln wir eine Antwortstrategie und besprechen Ihren Letter of Response und
  • planen wir Ihr weiteres Vorgehen realistisch und in Ruhe.

So gehen Sie souverän und ohne Schnellschüsse in die nächste Runde.

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Bild: Pixabay/WOKANDAPIX