Das Exposee: der erste Schritt in Ihre Promotion
„Womit fange ich bei meiner Promotion eigentlich an?“
Mit dieser Frage beschäftigen sich viele, die kurz vor oder am Anfang ihrer Promotion stehen. Eine gute Antwort darauf lautet in vielen Fällen: mit dem Exposee.
Ein Exposee ist eine Absichtserklärung, wie Sie bei Ihrer Promotion vorgehen wollen. Außerdem arbeiten Sie heraus, warum Ihr gewähltes Thema relevant ist und es verdient, erforscht zu werden. Sie zeigen mit dem Exposee, dass Sie die richtige Person sind, um dieses Thema zu bearbeiten.
Das Exposee ist typischerweise der erste längere Text, der im Rahmen einer Promotion verfasst wird. Vielleicht mussten Sie bereits für Ihre Masterarbeit ein Exposee schreiben und haben schon eine gewisse Erfahrung damit.
Muss ich ein Exposee schreiben?
In vielen Fällen wird von Ihnen ein Exposee verlangt: Etliche Promotionsordnungen (die Regelwerke, die den Ablauf Ihrer Promotion an der jeweiligen Universität festlegen) fordern ein Exposee, außerdem benötigen Sie bei Bewerbungen auf Stipendien oder für Graduiertenkollegs (strukturierte Promotionsprogramme) ein Exposee.
Doch auch falls von Ihnen formal kein Exposee gefordert wird und auch Ihre Betreuungsperson nicht darauf besteht, ist es trotzdem sehr sinnvoll, sich die Zeit für die Erstellung eines Exposees zu nehmen. Diese Zeit ist nicht verschwendet. Sie profitieren davon, sich einen Überblick über die geplante Arbeit zu verschaffen, Ihre Fragestellung klar zu fassen und sich intensive Gedanken über die passenden Methoden und Vorgehensweise zu machen. Insgesamt verkürzen Sie die Promotionszeit durch ein gutes Exposee.
Lassen Sie sich auf jeden Fall Feedback von Ihrer Betreuungsperson auf Ihr Exposee geben. Gerade in einer so frühen Phase der Promotion können noch relativ leicht die Weichen anders gestellt werden und z.B. die Methodik angepasst werden.
Was gehört in ein Exposee?
Üblicherweise hat ein Exposee einen Umfang von 10-20 Seiten und enthält folgende Bestandteile:
Einleitung: Sie führen in Ihr Thema ein und zeigen seine Relevanz auf.
Grober Stand der Forschung: Sie zeigen den aktuellen Stand der Forschung zu Ihrem Thema grob auf und weisen besonders auf offene Fragen hin. An diese Forschungslücken soll Ihre eigene Forschung andocken.
Forschungsfrage: die zentrale Frage, die Ihre Dissertation beantworten soll.
Theorien: die theoretischen Grundlagen, auf denen Ihre Arbeit aufbaut
ggf. Hypothesen: falls Ihr Vorgehen dies vorsieht.
Geplante Methoden und Vorgehensweise: wie Sie Ihre Forschungsfrage konkret untersuchen wollen.
Vorläufige Gliederung: ein erster Entwurf, wie die Kapitel Ihrer Dissertation aussehen könnten.
Grober Zeitplan: eine realistische Einschätzung, wie lange die einzelnen Arbeitsschritte dauern werden.
Literatur: die Quellen, auf die Sie sich bereits beziehen.
Diese Bestandteile bauen aufeinander auf: Aus der Forschungslücke ergibt sich die Forschungsfrage, aus der Forschungsfrage die passende Methode, und aus alledem der Zeitplan.
Wie soll ich vorgehen?
Zunächst sollten Sie überlegen, wer Adressat Ihres Exposees ist. Ist Ihr Exposee eine bloße Formalität, um der Promotionsordnung Genüge zu tun oder müssen Sie damit Überzeugungsarbeit leisten und die (potentielle) Betreuungsperson, Stipendiengeber oder Auswahlgremien überzeugen?
Informieren Sie sich, ob es bestimmte Richtlinien oder Vorgaben für die Gestaltung Ihres Exposees gibt. Insbesondere bei Förderwerken oder Graduiertenkollegs kann dies der Fall sein.
Eine gründliche Recherche ist unerlässlich, damit Sie Ihre Forschungslücke identifizieren und Ihre Fragestellung formulieren und schärfen können.
Des Weiteren überlegen Sie, mit welchen Methoden sich Ihre Fragestellung beantworten lässt. Dann planen Sie Ihre Vorgehensweise und erstellen einen realistischen Arbeits- und Zeitplan. Falls Ihnen noch Kenntnisse fehlen und Sie noch bestimmte Fortbildungen, z.B. zu Statistik, besuchen müssen, nehmen Sie auch dies in Ihren Arbeitsplan auf.
Sie müssen das Exposee nicht linear am Stück schreiben, sondern können auch mit dem Teil anfangen, zu dem Ihnen im Moment am ehesten etwas einfällt. Gehen Sie so vor, wie es Ihrer Arbeitsweise entspricht.
Falls Sie sich bei diesem Prozess nicht allein durchkämpfen möchten: Genau hier setze ich in meinem Promotionscoaching an und diskutiere mit Ihnen Ihr Thema und den Prozess.
Ist das Exposee bindend?
Ein Exposee ist sinnvoll, um das Projekt Promotion gründlich zu durchdenken und zu planen. Es ist eine Art Absichtserklärung für Ihre Forschung. Gleichzeitig ist es völlig normal, dass sich im Laufe der jahrelangen Arbeit an der Promotion einiges verändert. So kann sich der Schwerpunkt verlagern, die Methode angepasst werden, Aspekte können weggelassen werden oder neu hinzukommen. All das ist überhaupt nicht schlimm, sondern zeigt einfach, dass sich Ihr Thema weiterentwickelt.
Deshalb ist es auch kein Problem, wenn die fertige Dissertation anders aussieht als im Exposee angekündigt!
Nichtsdestotrotz empfiehlt es sich, Ihre Betreuungsperson über größere Änderungen bei Ihrer Arbeit zu informieren, damit sie auf dem aktuellen Stand ist und sich nicht übergangen fühlt.
Wie viel Zeit brauche ich für mein Exposee?
Wie lange Ihr Weg bis zum fertigen Exposee dauert, ist individuell und hängt stark davon ab, wie viel Zeit Sie zur Verfügung haben und welche sonstigen Verpflichtungen Sie haben (z.B. Berufstätigkeit, Care-Arbeit). Eine gewisse Orientierung kann Ihnen vielleicht die Tatsache geben, dass es an manchen Universitäten sogenannte Exposee-Stipendien gibt, die eine Förderung für diese Planungsphase der Promotion bieten. Die Laufzeit dieser Stipendien beträgt zwischen sechs und neun Monaten.
Sie haben Gesprächsbedarf?
Ob Forschungsfrage, Aufbau oder Zeitplan: Beim Schreiben eines Exposees tauchen fast immer Fragen auf, bei denen ein Blick von außen hilft. Ich unterstütze Sie dabei, Ihre Fragestellung zu schärfen, Ihr Exposee klar zu strukturieren und einen realistischen Zeitplan aufzustellen – individuell abgestimmt auf Ihr Thema und Ihre Situation. Ich freue mich, Sie auf diesem Weg zu begleiten.

